Selbstberührung

 

 

Das Thema Selbstberührung ist in unserer Gesellschaft ein Bereich, der von dem Normalmenschen eher lächelnd betrachtet wird. Wenn andere Menschen sich selbst umarmen oder streicheln, bekommen sie im besten Fall ein Augenrollen im schlimmsten Fall, werden sie für nicht mehr zurechnungsfähig abgestempelt.. und werden sie aufgefordert sich selbst zu berühren, muss ich ihm schon gute Gründe liefern, damit er es tut.

Es gibt in der Wissenschaft genügend Belege darüber, wie wichtig der Hautkontakt ist (nicht umsonst heißt es: `Haut braucht Haut´) und dabei ist es unerheblich, ob es andere Haut ist oder die eigene!!

Nun gab es kluge Köpfe, die dieses Wissen schon lange vor der Wissenschaft entdeckten und nutzen wollten und haben ganz wunderbare Therapiekonzepte entworfen! Angefangen bei den zig Massage Techniken, die damals durchaus therapeutisch genutzt wurden, die heute meistens nur noch als Wellness angeboten werden, bis hin zu den modernen Klopftechniken.

Und es geht weiter. Der moderne Therapeut weiß, wie wichtig und heilend es ist, wenn ein Mensch in einer schwierigen Situation, selbst weiß was er tun kann um sich zu helfen – also Selbstwirksamkeit! Ein großes Heilmittel. Das zusammen mit Selbstberührung hat unglaubliche Möglichkeiten! (Michael Bohne)

Was passiert bei der Selbstberührung?

Das ist eigentlich ganz simpel. Unser Körper ist mit Nervenenden übersäht. Ein Baby zum Beispiel, wird geboren und durch Berührung, Druck durch das Liegen, durch getragen werden oder pucken, werden die Nerven stimuliert und ausgebildet. So entwickelt sich überhaupt erst das Köpergefühl, das Gefühl der Abgegrenztheit zur Aussenwelt, indem es die Reize über die Haut wahrnimmt.

Was tut eine Mutter, die ihr Kind in schwierigen Situationen tröstet?

Sie nimmt es und hält es fest im Arm. Nun ist es verständlich warum Selbstberührung uns in schwierigen Situationen gut helfen kann!

Betrachten wir mal den Aspekt, dass ein Baby/Kind sich selbst über Berührung erfährt, seinen Körper wahrnimmt und lernt, was er alles kann und macht und wie es sich anfühlt.

Schauen wir mal etwas genauer in die Entwicklung von Jungen und Mädchen, dann finden wir einen Unterschied. Das Geschlecht. Und hier finden wir auch eine große Diskrepanz.

Während der Junge seinen Penis schon von klein auf an in die Hand nimmt, daran spielt und ihn zumindest für den Toilettengang in die Hand nimmt, tuen Mädchen das nicht. Oft wird es Mädchen sogar untersagt, sich da unten überhaupt anzufassen.

Dann kommt die Phase in Kinder aktiv ihr Genital entdecken, die sogenannten `Doktorspiele´. Hier wird es Mädchen nicht selten untersagt, ihr eigenes Geschlecht zu erkunden.

Natürlich sollte auf Hygiene geachtet werden, doch es sollte nicht vergessen werden, dass die Scheide des Mädchens ihr gehört und sie sollte unterstüzt werden in ihrer Entdeckung für ihr Genital. So könnte ihr erklärt werden, dass sie sich selbst am besten in einem geschützten Raum entdeckt und der Stift nicht so toll dafür ist, aber mit ihrem Finger es auch gut klappt!

Kindgerechter Umgang, mit Erklärung was gut ist und mit Aufmunterung sich selbst zu berühren.

Die Selbstberührung ist unglaublich wichtig, da Frauen ihr Genital nicht sehen und daher oft (wenn überhaupt) erst sehr spät in ihrem Leben einen Bezug zu ihrer Sexualität bekommen.

Für Frauen ist ihr Genital nicht immer mit schönen Dingen verbunden… durch die Periode, eine Geburt, eine Misshandlung (jede zweite Frau) oder … daher ist es gerade wichtig im jungen Alter ihnen eigene positive Erfahrungen zu ermöglichen!

Warum ist das so wichtig?

Menschen sind sexuelle Wesen und auch die Frau kann Spaß am Sex haben… wenn sie gelernt hat mit sich selbst umzugehen.

Wenn wir uns nun an den Beginn des Textes erinnern, übertrage ich.. es können sich nur dort Nervenbahnen bilden, wo Berührung in irgendeiner Weise stattfindet. Eine Frau, die nicht gelernt hat, sich selbst und ohne Scham zu berühren, wird wahrscheinlich beim Sex nicht so viel empfinden und Befriedigung erleben, wie eine Frau, die durch Selbsterfahrung ihr Genital kennengelernt hat und weiß wie sie aussieht und funktioniert.

Ich finde, dies ist ein wichtiges Thema und wir sollten alle einfach feinfühlig damit umgehen. Es geht nicht um Quantensprünge, sondern um Sensibilität! Manchmal ist es einfach eine andere Reaktion auf eine Frage oder ein Verhalten, dass dem Kind ein besseres Gefühl und damit mehr Selbstsicherheit schenkt.

Zum Beispiel, das Kind sagt `das andere Mädchen hat sich einen Bauklotz in die Mumu gesteckt´ und ich reagiere einfach mit einer neutralen Reaktion `Aha.´ oder sage vielleicht noch `.. du kannst ihr ja nächstes mal vorschlagen, dass sie lieber ihren Finger nimmt.´

Niemand muss irgendwas feiern, eine neutrale Position ist ideal, wenn darin kein abwertender Ton zu hören ist, denn den versteht jedes Kind sofort!

Denk doch mal über deine sexuelle Erziehung nach, vielleicht fällt dir etwas ein, was dich als Kind sehr geprägt hat in deiner sexuellen Entwicklung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.